LAMINEKTOMIE
Schmerzen nach Laminektomie
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Was ist eine Laminektomie?

Bei einer Laminektomie werden operativ ein oder mehrere Wirbelbögen entfernt, wodurch ein Zugang zum Rückenmark der Wi rbelsäule, der Ba ndscheibe und dem sog. dorsalen Wirbelkörperanteil ermöglicht wird.

Bei welchen Krankheitsbildern kommt evtl. eine Laminektomie zum Einsatz ?  

  1. Bandscheibenvorfall (Bandscheibenprolaps)  

  2. Bei einer sog. „Spinalkanalstenose“ (Wirbelkanaleinengung)  

  3. Krebsbefall der Wirbelsäule                                                                                                                                                   

Mit Abstand am häufigsten wird eine Laminektomie bei Bandscheibenvorfälle n durchgeführt.

Was ist nun ein Pos t laminektomie -Syndrom ?

Dieser Begriff beschreibt Schmerzzustände, die trotz durchgeführter Operation (Laminektomie) weiterhin bestehen, vielleicht sogar noch schlimmer geworden sind oder nunmehr auch verändert auftreten. Man könnte das Pos t laminektomie -Syndrom auch so definieren: Zustand nach fehlgeschlagener Laminektomie. Zwischenzeitlich faßt man anhaltende Schmerzzustände nach (auch mehrfachen) Wirbelsäulenoperationen (Bandscheibe, aber auch operative Versteifungen) mit dem Begriff „Fa iled back surger y Syndrom" (= Krankheitszeichen nach fehlgeschlagener Wirbelsäulenoperation) zusammen. Pos t laminektomie -Syndrom

Ursachen für das Pos t laminektomie -Syndrom
Schlechte bzw. falsche Operationsanzeige, Operation in falscher Wirbelsäulenhöhe, ungenügende Entlastung der Bandscheibe, Entzündungen an Wirbelkörper und angrenzender Bandscheibe (Spondylodiscitis), verletzungsbedingte Blutansammlung außerhalb der Gefäße (Hämatom), Verbindungsgang zum Hirnwasser (Liquorfistel), fehlerhafte Vereinigung von Knochenteilen (fehlerhafte Osteosynthese) u.a.m..

Drohende Spätkomplikationen nach Lami nektomie
Instabilität
der Wirbelsäule, die u.U. eine Spondylodese
(= operative Versteifung) erforderlich macht, krankhafte Bindegewebsvermehrung nahe des Rückenmarks (epidurale Fibrose), bindegewebsartige Verwachsungen der das Rückenmark auskleidenden „Spinnengewebshaut“ (adhäsive Arachnoiditis), Wiederauftreten einer Bandscheibenausstülpung (Diskushernienrezidiv), u.a.m..

Wie kann einem Pos t laminektomie -Syndrom vorgebeugt werden? 
Nur durch eine korrekte Indikationsstellung
(= Begründung, Anzeige, unter Abschätzung des möglichen Nutzens und Risikos) für den ersten operativen Eingriff nach genauer Klärung der Schmerzursache.
Als Grund für eine Lami nektomie sind mittlerweile die Krankheitszeichen "Rückenschmerzen" oder „Kreuzschmerzen“ in den Hintergrund getreten. Als relative Indikation (= Anzeige) gelten allenfalls unerträgliche, therapieresistente (= nichts hilft) Rüc ken schmerzen. 
Leider sehen wir in unserer Schmerzklinik relativ häufig Patienten nach einer
Laminektomie. Man fragt sich natürlich zu Recht, warum wurde eine spezielle Schmerztherapie nicht vorher versucht ??

Das Schmerzgeschehen bei einem Pos t laminektomie -Syndrom wird von den Patienten unterschiedlich geschildert. Meist verbleibet ein schon vor der Operation aufgetretener Rückenschmerz mit Ausstrahlung ins Bei n, bzw. treten nach einer gelinderten Phase wieder voll auf, teilweise sogar noch verstärkt, zusätzlich häufiger auch Leistenschmerzen und/oder Beinschmerzen, oft gemischt pseudoradikulär-radikulär (=auf eine scheinbar oder tatsächlich geschädigte Nervenwur  zel zurückzuführen).  
Beim
Pos t laminektomie -Syndrom kommen oft Schmerzen beim Vornüberneigen hinzu.

Spezielle Schmerztherapie beim Pos t laminektomie -Syndrom:
Zur Behandlung eignen sich folgende Maßnahmen, wobei ein Dauerschmerz praktisch immer eine Kombination von verschiedenen Therapieverfahren erfordern:

Medikamentöse Schmerztherapie:
Akut und subakut können bei einem Pos
t laminektomie -Syndrom zunächst (vorwiegend) peripher wirkende Analgetika (= Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzen tstehung wirken) eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika (= Rheumamittel) (möglichst langwirkende und magenschonende wie z.B. Mobec®), bei stärkeren schmerzhaften Muskelverspannungen auch Muskelrelaxanzien (= Mittel zur Muskelentspannung) (z.B. Norflex®, Mydocalm®). Manchmal sind aber die Schmerzzustände nur mit zentralwirkenden Analgetika (z.B. Tramadol, Valoron N®) (= im Gehirn bzw. Rückenmark wirkende Schmerzmittel) beherrschbar. 
Grundsätzlich sollte gerade beim Pos
t laminektomie -Syndrom eine längerfristige Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar Abhängigkeit vermieden werden. 
Die Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva
(= Mittel gegen Depression, aber auch bei chronischen Schmerzen wirksam) (z.B. Doxepin, Maprotilin) hilft in vielen Fällen Schmerzmittel einzusparen.

Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) beim Pos t laminektomie -Syndrom
Bei anhaltenden Schmerzen nach Lami
nektomie sollten rechtzeitig alternative Methoden eingesetzt werden. Eine sehr wirksame Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder Suchtpotential, ist die therapeutische Lokalanästhesie mit einem langwirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) in Form von örtlichen Betäubungen und Nervenblockade n.

Infiltrative Lokalanästhesie (= Infiltration mit einem örtlichen Betäubungsmittel)
Die einfachste diesbezügliche Schmerztherapie im Rückenbereich besteht in der örtlichen Infiltration der meist verspannten, an die Wirbelsäule angrenzenden Musku latur. Je nach segmentaler Ausdehnung reichen ca. 5-10 ml Bupivacain 0,25% bis 0,5% völlig aus. Eine weitere Möglichkeit ist die gezielte Infiltration von Triggerpunkten (= kleine Reizzonen hpts. in der Mus kulatur) nach vorheriger Identifizierung derselben.

Periphere temporäre (= oberflächliche, zeitlich begrenzte) Nervenblockade n:
Zur Unterbrechung segmentaler Reflexkreise, aber auch zur Therapie von Schmerzausstrahlungen eignen sich bei Rückenschmerzen Blockaden
(= Betäubungen) der korrespondierenden Nervenwu rzeln (= im Schmerzbereich befindliche Nervenaustrittstellen neben der Wir belsäule). 
Im Bereich der Be ine können bei entsprechender radikulärer oder pseudoradikulärer Schmerzausstrahlung (= Schmerzen, die auf eine tatsächlich oder scheinbar geschädigte Nervenwur zel zurückzuführen sind) der vordere Oberschenkelnerv (N. femoralis) und / oder der Ischiasnerv wiederholt blockiert werden, in hartnäckigen Fällen kontinuierlich mit Katheter (* siehe unten). 
Bei Schmerzausstrahlung in den Bereich des seitlichen und inneren Oberschenkels gelingt mit der sog. 3-in-1-Variante die zusätzliche Betäubung der Nerven obturatorius und cutaneus femoris lateralis
.

Die lumbale Periduralblockade (= rückenmarknahe Betäubung im Lendenbereich), insbesondere kontinuierlich mit Katheter*, ist eine sehr effektive Therapiemaßnahme beim Pos t laminektomie -Syndrom, die allerdings nur unter stationären Bedingungen durchgeführt werden sollte. Bei technischer Beherrschung, adäquater Lokalanästhetika-Dosierung und Beachtung der hygienischen Belange kann das Risiko als vertretbar eingestuft werden. 
Wenn eine Periduralblockade technisch schwer oder nicht durchführbar ist (z.B. bei Mißbildungen, Zustand nach operativer Wirbelsäulenversteifung usw.), bietet sich besonders bei Störungen im Bereich des Plexus sacralis
(= Nervengeflecht im Bereich des Kreuzbeins) die sog. Kaudalanästhesie (= rückenmarknahe Betäubung durch einen Kanal im Kre uzbein hindurch) an, die auch mit Katheter* möglich ist, sofern dieser wegen der der Gefahr einer En tzündung seitlich unter der Haut mittels einer Untertunnelung weggeführt wird. Erhöht man die Menge des örtlichen Betäubungsmittels (z.B. 20-25ml Bupivacain 0,1 bis 0,15 %) kann auch der obere Len denbereich erreicht werden. 
Statt mit einem örtlichen Betäubungsmittel können die aufgeführten, rückenmarknahen Blockaden auch mit einer verdünnten Morphin-Lösung durchgeführt werden, allerdings ist dabei die oft zu beobachtende, über die Behandlungszeit hinaus anhaltende Wirkung deutlich weniger ausgeprägt. 
Bei sehr schweren und sonst kaum behandelbaren Rüc
kenschmerzen einschließlich Ausstrahlung in die Le isten oder Bei ne kann zur Durchführung rückenmarknaher Blockaden auch eine kleine Schmerzpumpe unter die Haut gepflanzt werden. Das Arzneimittelreservoir der Pumpe wird dann in bestimmten Zeitabständen durch die Haut hindurch mit Hilfe einer Spritze wieder aufgefüllt.

*   Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird der dünne Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht „aufgeschnitten“ werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Das örtliche Betäubungsmittel wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der Schmerzreizleitung), damit begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich bleiben. Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Nerven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert, die einer Schmerzen tstehung im operationsbedingten Narbengewebe entgegen wirkt.

Physikalische Therapie beim Pos t laminektomie -Syndrom:
Auch eine Elektrostimulation kann bei Rüc
ken schmerzen eine Beschwerdelinderung herbeiführen. Die transkutane Nervenstimulation mit Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS) hat den Vorteil, daß sich die Patienten bei Bedarf selbst behandeln können. Die Elektroden werden paarig neben der Wi rbelsäule im Schmerzbereich aufgeklebt. Durch Veränderung der Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße kann die Wirkung optimiert werden. Die elektrische epidurale Rückenmarksstimulation erfordert eine strenge Patientenauswahl. 
Eine weitere physikalische Behandlungsmöglichkeit ist bei Schmerzen nach Lami
nektomie die oberflächliche Kältetherapie im Schmerzbereich. Wir verwenden einen elektrischen Kaltluftgenerator, dessen Luftstrom auf ca. -10 bis -15 Grad C abgekühlt ist. 
Manche Patienten mit Schmerzen nach Lami
nektomie (gilt auch allgemein für Rücke n  schmerzen) empfinden allerdings lokale Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser wirksam. Warme Bäder können ebenfalls Kreuzschmerzen lindern. 
Die Verordnung von Massagen ist auch beim Pos
t laminektomie -Syndrom nicht immer sinnvoll.
Für den Patient mag diese Behandlung zwar angenehm sein, aber unter schmerztherapeutischem Aspekt bringt sie nichts und führt nur zu unnötigen Kosten.
Nahezu unverzichtbar ist aber beim Pos
t laminektomie -Syndrom die heilgymnastische Therapie (z.B. Rückenschule), da meist nur diese geeignet ist, einen ärztlichen Behandlungserfolg zu sichern und längerfristig zu stabilisieren. Dabei gilt es, die Musku latur neben der Wi rbelsäule zu trainieren, da auf Dauer nur eine kräftige/suffiziente Musku latur eine statische und dynamische Schwäche des Achsenorgans kompensieren kann.

Andere Therapiemaßnahmen beim Pos t laminektomie -Syndrom:
Der Vollständigkeit halber darf Akupunktur gegen Schmerzen nach Lami
nektomie nicht unerwähnt bleiben. Auch eine Magnetfeldtherapie kann hilfreich sein.
Wichtig sind individuelle Instruktionen zur richtigen Haltung und Vermeidung von übermäßigen Wirbelsäulenbelastungen (funktionelle Ergotherapie bzw. Rückenschule). Darüber hinaus ist anzustreben, daß die betroffenen Patienten Übungen zur Lockerung der Musku
latur erlernen. 
Die Verordnung von Hilfsmitteln wie z.B. stabilisierende Korsette sollten dem Orthopäden vorbehalten sein. 
Hypnoide
(= bewußtseinsverändernde) Verfahren wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson sind eine sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie, da auch sie zu einer muskulären Entspannung führen, ebenso Biofeedback (= Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale).
Psychotherapeutische Interventionen
(psychologische Schmerzbehandlung) können ausgeprägten „Psychosomatischen Schmerzen“ angezeigt sein, da auch verdrängte Konflikte muskuläre Verspannungen und Schmerzen verstärken können.

Bei einem längerfristig bestehenden Pos t laminektomie -Syndrom ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.

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